Montagsfrage: Bist du jemand, der seinen Buchbestand regelmäßig ausmistet, oder behältst du lieber alle deine Bücher?

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Mit einem Klick auf das Bild gelangt ihr zur Initiatorin der „Montagsfrage“

Allein, dass mir so viele Bücher zugänglich sind, empfinde ich als Privileg in unserer Welt und alles andere als selbstverständlich. Für mich ist allein das Ding „Buch“ unwahrscheinlich viel Wert. Und es ist für mich zu wertvoll geworden, um es in riesengroßen Mengen zu horten. Früher träumte ich von einer eigenen Bibliothek – die, die ganze Räume ausfüllt; die, für die man eine Leiter braucht; die, von der so mancher Leser träumt.

Seit eineinhalb Jahren verändert sich dieser Wunsch. Heute wünsche ich mir nur noch eine kleine ausgewählte Hausbibliothek. Diese begrenze ich auch nicht auf eine Stückzahl an Büchern, sondern auf eine Fläche: Irgendwie stelle ich mir 10m²  als optimales Ausmaß vor, was zufällig meiner Wohnzimmerwand entspricht. Und in dieser Bibliothek sollen nur wahre Herzensbücher stehen.

Natürlich gehört bei mir eine kleine „germanistische Sammlung“ dazu – immerhin studiere ich Germanistik. Eine Germanistin, die keinen Goethe herumstehen hat, ist irgendwie keine Germanistin. Außerdem sammele ich einige Autoren wie Jasper Fforde und Haruki Murakami oder Reihen wie „Gormenghast“. Hinzu kommt, dass ich momentan auf der Suche nach einem kleinen Spezialgebiet bin. Da ich ein eher ein Breitenleser bin, möchte ich irgendwo auch den Sprung in die Tiefe schaffen. Dieses Gebiet soll ebenfalls in meinem Regal stehen. Ansonsten dürfen nur noch Herzensbücher bei mir wohnen. In meiner „germanistischen Abteilung“ darf es immer eine ungelesene Auswahl geben, ansonsten bin ich streng und möchte den Status „100% gelesen“ erreichen. Für mich bedeutet ein derartiges Regal auch, es bewusst repräsentativ zu gestalten. Es geht mir nicht um kostbare oder exotische Ausgaben, aber es geht mir schon darum, mich über dieses Regal zu profilieren, ohne dabei die Authentizität zu verlieren. Das hier zu erklären, würde jedoch zu weit führen… Diesen Teil würde ich definitiv unter dem Begriff „Horten“ einsortieren. Ja, ich horte, aber ich horte zunehmend überlegter.

Das Loslassen fällt mir mittlerweile sehr leicht. Als ich z.B. meine Stephen King-Sammlung auflöste, fiel mir das sehr schwer; ich weiß, was es bedeutet, Bücher auszusortieren. Nur weiß ich auch, dass sich diese Einstellung verändern kann – nach einer Anleitung kann man mich leider nicht fragen 😉 . Bücher, die ich nicht brauche, lasse ich gehen und das fühlt sich gut an; es fühlt sich besser an, als sie aus falschen Gründen zu behalten. Vom Bücherkauf-Zwang konnte ich mich mittlerweile befreien. Gekauft wird nur noch, was gelesen wird. Dadurch entfällt das Ausmisten zunehmend. Aber es kommt immer mal wieder vor, dass ich Bücher weggebe. Zum Glück lässt sich immer jemand finden, der sich über meine Bücher freut.

Leihen wird für mich immer wichtig sein. Bücher zu leihen, bedeutet auch, sich Material und Rohstoffe zu teilen. Denn was ich bei Büchern nicht mehr übersehen kann und will, ist, dass sie aus wertvollen Rohstoffen bestehen. Garantiert hat irgendwer berechnet, wie viele Wälder allein für Harry Potter sterben mussten – ich möchte das nicht wissen. Mir ist es nicht wichtig, dass jetzt jeder nur noch Ebooks kauft oder sich Bücher leiht. Darüber nachzudenken, ob man doch hier und da nachhaltiger lesen kann, kann dennoch so verkehrt nicht sein. Es gibt Orte auf der Welt, an denen sich Kinder nicht einmal Schulhefte leisten können. Sicherlich ändere ich mit meinem Verzicht auf Papierbücher nichts an dieser Situation, auch wenn es schön wäre. Nur verändert sich umgekehrt noch weniger.

Leihen ist optimal, um nicht dem sinnlosen Horten zu verfallen und hat zur Folge, die Entscheidung auszumisten oder nicht auszumisten, zu umgehen. Wenn ich ein Buch nach dem Lesen wirklich haben möchte, kann ich es mir kaufen – und das ist sicherlich eines, das ich dann unbedingt behalten möchte.

Gibt es noch jemandem, dem es ähnlich wie mir geht? Erzählt mir eure Geschichte. Und keine Angst: Ich bin kein Gut-Mensch, der erwartet, dass ihr auch ja kein überflüssiges Buch im Regal stehen habt. Mir ist das wichtig, was ihr in euren Leben mit euren Herzen auslebt, mit allen Facetten, die dazugehören.

Wie gestaltet ihr diese Welt?

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4 Gedanken zu “Montagsfrage: Bist du jemand, der seinen Buchbestand regelmäßig ausmistet, oder behältst du lieber alle deine Bücher?

  1. Hallo Sabrina! Schön, wieder von dir zu lesen. Hoffe, bei dir ist alles soweit in Ordnung?!
    Kamst du mit deinen Prüfungen zurande, wenn denn einige anstanden?! (:

    Ich muss zugeben, dass ich schon immer zum Typ Mensch gehörte, der gerne aufräumt und ausmistet. Das übertrage ich also ebenfalls auf meine große Buchsammlung. Vieles an Kinder- und Jugendbüchern habe ich bereits in unsere allgemeinen Familienregale im Flur ausquartiert, damit ich wirklich Platz für „meine“ Bücher habe, die ich mir selbst kaufte und an denen ich besonders hänge.
    Von vielen alten Ausgaben musste ich mich leider auch ganz verabschieden, da meine Insekten-Staub-Überreste-Allergien es mir schwer machten.

    Deine Vorstellung einer kleinen Hausbibliothek klingt wunderbar, gerade wegen ihres Minimalismus.
    Wenn ich in meinem Zimmer eine komplette Wand frei hätte, dann stünden dort auch alle meine Bücher in Regalen, aber mein altes „Kinderzimmer“ hat tatsächlich an jeder der 4 Wände mindestens 1 Regal. (; Wenn ich einst mit Partner oder Partnerin zusammenziehe, dann brauche ich auf jeden Fall eine schöne Buchwand. *__*
    Es ist eventuell nicht verwunderlich, dass ich wahnsinnig viel an Germanistik-Lektüre besitze und noch vieles lesen will, was mir damals entgangen ist. Gerade entdeckte ich meine Passion für Schiller und Goethe wieder. (: .. Hihi, Murakami nimmt bei mir auch fast ein ganzes Regalbrett ein, das sieht toll aus.

    Mh, ich wollte mir auch immer EIN Spezialgebiet suchen, jetzt habe ich viele angefangene und weiß nicht, welches ich am liebsten vertiefte. Die russischen Klassiker versuche ich gerade durch russische Gegenwartsliteratur zu erweitern. Ebenso hat es mir die deutsche Gegenwartsliteratur angetan und meine Lyrikbände brauchen bald ein neues Regalbrett, da ich dort ebenfalls fleißig sammle. :3

    Ach, du gibst einem hier viele Ansätze zum Schreiben und Träumen. Gefällt mir. (:

    Alles Liebe dir!

    Sophie

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    • Hallo Sophie,
      dass ich dich zum Träumen und Schreiben bringe, gefällt mir sehr. Jetzt muss es mir noch beim Lesen gelingen, und wir sind quitt.
      Die Prüfungen liefen ganz gut, auch wenn noch Luft nach oben ist. Seit gestern bin ich endgültig durch und freue mich sehr über meine derzeitige Freiheit. Bereits jetzt habe ich viel zu viele Bücher eingeplant… und zu viele Booktube-Beiträge, die in der Warteschlange stehen… und dann sind da noch die anderen Blogger, um die ich mich endlich richtig kümmern muss… und – ach ja, mein Blog 😉 .
      Mmh. Deine „Allergie gegen Bücher“ hat schon beinahe etwas Ironisches an sich. Trotzdem ist es nicht schön, auf diese Weise zum Aussortieren gebracht zu werden. Darum, schon immer jemand gewesen zu sein, der gerne aussortiert, beneide ich dich. Sei froh darum, dass du dir diese Eigenschaft nicht erst hart erarbeiten musstest.
      Dich kann ich mir übrigens wunderbar in einer großen Hausbibliothek vorstellen. Vielleicht lädst du mich zu deinem 50. Geburtstag ein? Bis dahin bist du sicherlich so aufgestellt, wie du es dir erträumst und ich kann überprüfen, ob meine Vorstellungen stimmen. Aber du und nur ein Spezialgebiet? Das passt nicht. Auf mich vermittelst du immer den Eindruck, den Spagat zwischen Breite und Tiefe zu meistern. Alles geht nimmer – aber in deinem Fall doch verdammt viel.
      So, da ich deinen Lesemonat Februar noch immer nicht sah, wirst du schon bald erneut von mir lesen.
      Bis dahin LG!
      Sabrina

      PS: Ich hoffe, dass sich aus deinem auf Twitter erwähnten Halskratzen nichts entwickelt hat… falls doch: Gute Besserung!

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  2. Hallo Sabrina,
    ich finde, du hast hier einen wirklich interessanten Artikel geschrieben.

    Früher konnte ich mich einfach nicht von Büchern trennen und wenn ich sie noch so schlecht fand. Zwischenzeitlich hat sich da mein Denken etwas verändert, was auch schon einfach eine Platzfrage ist. Allerdings muss ich schon zugeben, dass es sich bei meinen Bücher meist nicht um literarisch recht wertvolle Werke handelt. Ich lese bei der Arbeit schon sehr viel komplexes Zeug, da ist es mir privat wichtig, dass ich auch mal berieseln lassen kann.

    Den Traum einer eigenen Bibliothek hat wohl jeder Bücherliebhaber irgendwann mal in seinem Leben 🙂
    Diesen Wunsch kann ich nur zu gut nachvollziehen.

    Jetzt miste ich Bücher, die mir absolut nicht gefallen haben oder die ich nicht unbedingt behalten möchte auch mit einem guten Gefühl aus.

    Alles Liebe, Nelly

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    • Hallo Nelly,
      danke für deine liebe Antwort. Von Büchern lasse ich mich auch gerne mal „nur“ berieseln, vor allem nach langen Uni-Tagen. Da unterscheiden wir uns sicherlich nicht. Ich finde es überhaupt nicht wichtig, jedem ausschließlich „literarisch recht wertvolle“ Werke zu verpassen. Durch mein Studium habe ich mich entschieden, sie zu meinem Schwerpunkt zu machen, aber deswegen sind es nicht die einzigen Bücher, die es für mich gibt, und eigentlich sind sie bei mir gerade kaum vertreten, weil…es manchmal halt so ist. Bücher bieten so viele verschiedene Möglichkeiten, das Leben zu bereichern, und jede davon ist wertvoll. Gerade das schätze ich an der Literatur.
      Und es ist schön, von jemanden zu lesen, der sich auch Gedanken über das Aussortieren macht 🙂

      Liebe Grüße, Sabrina

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