Montagsfrage: Buchhandlungen vs. Online-Shop – wo kauft Ihr Eure Bücher ein?

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Die Montagsfrage von Buchfresserchen, an der ich mich zukünftig gerne ab und an beteiligen würde, möchte ich damit verknüpfen, etwas von mir zu erzählen.

Am liebsten würde ich meine Bücher in einer kleinen inhabergeführten Buchhandlung kaufen. Nachdem ich jahrelang kaum gelesen habe, weswegen eine Buchhandlung für mich überflüssig war, und nun, da ich endlich wieder lese, leider nicht mehr an meiner alten vorbeikomme, bin ich sozusagen auf der Suche nach einem neuen „Zuhause“ für mich. Allerdings bin ich so schüchtern, dass ich mich immer ein wenig weigere, neue Orte zu entdecken. Da mein Studium genau das von mir in letzter Zeit gefordert hat, habe ich meine gesamte Energie dort eingesetzt. Mittlerweile bin ich in meinen beiden Fächern angekommen und der Alltag ist tatsächlich Alltag und nicht mehr Herausforderung (wobei Alltag immer eine Herausforderung ist 😉 ).  Insbesondere drei Buchhandlungen habe ich bereits ins Auge gefasst und ich hoffe sehr, dass die richtige für mich dabei sein wird.

Aber warum ist mir das so wichtig, eine Buchhandlung zu besuchen? Meine Hauptlieferanten für Buchempfehlungen (Booktuber, Feuilleton, Blogger und Co.) machen ihren Job richtig gut. Sollte ich einen Buchhändler finden, der mich gut berät, wäre das ein Bonbon, aber nicht Hauptgrund, dorthin zu gehen.

Mir sind Atmosphäre und Persönlichkeit einer Buchhandlung extrem wichtig. Vollgestellte Buchhandlungen, die auf den ersten Blick chaotisch wirken, sich aber als aufgeräumt herausstellen, und deren Auslage neben der nicht zu vermeidenden „Standard-Auslage“ auf einen eigenen Charakter schließen lässt, sind mir am liebsten. Vieles von dem, was ich mir an einer Buchhandlung wünsche, ist sicherlich auch Wunschdenken, aber einen Hauch davon muss ich irgendwo finden können. Meine Buchhandlung muss ich lieben können, ansonsten wird das nichts mit uns zweien.

Wer aufgepasst hat, hat bemerkt, dass ich mehr von dem Raum als den Persönlichkeiten darin spreche. Der Raum soll bitte so gestaltet sein, dass ich ihn mag. Aber das erwarte ich nicht von den Buchhändlern – bei ihnen bin ich offener.

Deswegen fällt es mir zurzeit sehr leicht, Ketten zu besuchen. Die Athmosphäre ist zwar nicht die, die ich mir wünsche: Es ist mir häufig zu voll, zu laut und zu bewegt. Aber das Sortiment ist riesig und meine Wunschbücher so gut wie immer da. Das weiß ich gegenüber inhabergeführten Buchhandlungen durchaus zu schätzen. Wenn ich dieses Angebot nutze, zahle ich auch dafür und kaufe mein Buch dort. Ich mag es nicht, wenn mir ein Kunde zuzwinkert und sagt, er schaue sich hier nur um und kaufe woanders, verstehen kann ich es. In Zeiten, in denen mir der persönliche Kontakt schwerfällt, bin ich froh über dieses nahezu anonyme Angebot. Würde es das nicht geben, würde ich wohl oft ausschließlich online kaufen.

Online kaufe ich auch. Aber nur, weil ich bis zur nächstgelegenen Buchhandlung relativ weit fahren muss. Wenn ich weiß, dass ich dort bald vorbeikomme, lasse ich meine Bücher immer dorthin schicken, selbst wenn die Buchhandlung nicht „meine“ ist. Komme ich nicht vorbei, lasse ich mir die Bücher nach Hause schicken. Da ich schon schrieb, dass ich weiß, welches Buch ich brauche, fehlt mir der nichtvorhandene Service natürlich nicht. Was mir missfällt, ist die in meinen Augen verkorkste Reise-Geschichte des Buches. Den Kauf von Büchern verknüpfe ich gerne mit den Begleitumständen. Welches Wetter war draußen? In welchem Regal habe ich das Buch gefunden? In welcher Stimmung war ich? Bei Online-Bestellungen fehlt mir diese Verknüpfung gänzlich, da ich die Paketannahme an der Haustür als nichtssagend empfinde. Ein Online-Kauf ist schlichtweg unromantisch.

Die Ausführungen darüber, dass ich inhabergeführte Buchhandlungen auch bevorzuge, weil ich Kultur und Kunst dort aus diversen Gründe angemessener vermittelt sehe, spare ich mir an dieser Stelle, obwohl es ein wichtiger Aspekt ist. Ich gehöre zu denen, die, theoretisch, bereit sind, den Preis eines Buches zu bezahlen. Praktisch gehöre ich vor allem im Moment zu denjenigen, denen neue Bücher zu teuer sind. Bis ich Neuerscheinungen lesen kann, dauert es oft ein Weilchen und mitunter fühle ich mich ausgeschlossen von den allgemeinen Gesprächsrunden.

Bibliotheken sind für mich daher unglaublich wichtig und vor allem wichtiger als Buchhandlungen oder Online-Händler. Zum Glück stehen mir drei offen. Und ich habe großes Glück! So sehr Bremen auch an allen Ecken und Enden knausert (eine Exzellenz-Uni ohne einen seit Jahren versprochenen Beamer im Hörsaal): am Bestand der Bibliotheken spüre ich das kaum. Die Universitätsbibliothek hat einen meiner Meinung nach einen sehr guten Präsenz-Bestand und die Bereitschaft, ihn nach Wünschen der Studenten zu vergrößern, groß. Aber auch in der Onleihe der Stadtbibliothek ist das Angebot hervorragend.

Die neuesten Bücher werde ich wohl noch eine Weile zeitversetzt lesen müssen, aber ich bin froh, dass mir Möglichkeiten offen stehen, viele meine Wunschbücher unabhängig vom Portemonnaie lesen zu können.

Mir stehen alle Welten zur Verfügung, die ich zum Glücklichsein brauche.

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6 Gedanken zu “Montagsfrage: Buchhandlungen vs. Online-Shop – wo kauft Ihr Eure Bücher ein?

  1. Huhu Sabrina 🙂
    Wow. Was für eine schöne Antwort auf diese Frage.
    Ich kann dich da so gut verstehen. Ich habe meine perfekte Buchhandlung auch noch nicht gefunden.
    Ist aber mittlerweile auch leider sehr schwer geworden finde ich.
    Ach es war einfach schön deinen Beitrag zu lesen. Für mich als Verfechterin des stationären Handels wirklich wohltuend.
    Ich drücke dir die Daumen das weiterhin alles gut läuft bei dir und vor allem das du deine „perfekte“ Buchhandlung bald findest. 🙂

    Und ja – ich schätze Bibliotheken auch sehr. Unsere hat zwar schon ein tolles Angebot, aber manchmal wünsche ich mir da auch noch mehr Auswahl und Vielfalt. 🙂

    Dir einen schönen Tag.
    Liebe Grüße
    Jacky 🙂

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    • Schön von dir hier zu lesen, liebe Jacky!
      Ja, Buchhandlungen können etwas wundervolles sein, aber sie stehen auch ganz schön unter Zugzwang. Je mehr Kunden sie zufrieden stellen wollen/müssen, desto weniger Profil können sie zeigen. Sehr viel erwarte ich gar, auch wenn sich das bei mir so anhören sollte.
      Und natürlich dürfen die Buchhändler auch über die Kompetenz verfügen, auf meinen Geschmack zu reagieren, aber zum Glück habe ich immer Listen bereit. Finden lässt sich also immer etwas.
      Es freut mich übrigens immer noch, so viel von dir zu lesen. Meine Aktivität unter BuchBloggern muss ich noch steigern, aber das wird schon.
      Liebe Grüße auch an dich!

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  2. Hallo Sabrina, dein Text ist eine wundervolle und vor allem persönliche Antwort, wie ich sie selbst gar nicht geben könnte. Ich habe keine Stammbuchhandlung, ich lasse mich nie beraten und meistens kaufe ich Bücher immer relativ spontan. In letzter Zeit war ich natürlich häufig in der Filiale einer größeren Kette, in der ich 1 Jahr verbringen durfte… aber ohne ein Buch zu kaufen. Ich wollte nur meine ehemaligen Kollegen sehen.
    Mir fehlt dieses Entdecken der kleinen Buchhandlungen… wenn du wüsstest, wie viele großartige, ausgewählte Buchläden es in Mitte und Prenzlauer Berg gäbe.. ach. Zum Träumen. Da bin ich wohl ein richtiger Kulturbanause. Das tut mir auch sehr leid.
    Momentan zähle ich die Tage bis ich das nächste Mal Gehalt bekomme [aktuell 35] und dann habe ich bereits drei Bücher [von denen ich dir bereits schrieb], die es als nächstes sein sollen. Anders kann ich gerade nicht planen.
    Ich liebe die Atmosphäre von Buchhandlungen und mag es auch, wie sie in größeren Centern in Großstädten einen Rückzugsort für ruhige und stöberfreudige Leser bilden. Ich hoffe, du findest vielleicht noch DIE eine Buchhandlung für dich. (:
    Liebste Grüße!

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    • Hallo Sophie,
      dass meine Antwort so persönlich ausgefallen ist, hat seinen Grund. Mir ist es wichtig, eine bestimmte Seite von mir aus der Privatheit herauszuholen und in die Öffentlichkeit zu tragen, auch wenn viele das vielleicht nicht für klug halten. Wieso und warum werde ich auf Dauer nebenbei einfließen lassen und ausbauen. „Still“ von Susan Cain werde ich daher wohl ganz besonders viel Beachtung schenken 😉 .
      Berliner Buchhandlungen kenne ich nur aus dem Internet und wüsste gar nicht, wo ich zuerst hingehen sollte. Bei dir vor der Haustür hat man gefühlt für jeden Tag der Woche eine neue, ganz besondere Buchhandlung. Soweit ich weiß, gibt es in Berlin auch überdurchschnittlich viele Neueröffnungen, während woanders Läden eher geschlossen werden. Als Kulturwissenschaftlerin habe ich, glaube ich, schon mein Metier gefunden und werde mich bestimmt noch in der einen oder anderen Arbeit in der Uni damit auseinandersetzen. Mein Kopf sprudelt da vor Ideen nur so über und nicht nur, was Booktuber als Studienobjekte angeht (ich meine das so Ernst, wie man es als Studentin Ernst meinen kann!).
      „Pfaueninsel“ hielt ich übrigens gestern in der Hand und musste gleich an dich denken…
      Liebe Grüße nach Berlin! Sabrina

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  3. „Persönlich“ trifft es 🙂 Ich habe auch überlegt, diese „Bedenken“ in meiner Antwort zu thematisieren, aber.. ich habs getan. Ich fühle mich nicht wohl, wenn der Laden zu klein ist und ich nicht weiß, ob der Verkäufer mit mir reden will oder lieber ungestört bleiben will… Mit neuen Orten habe ich wenig Probleme, ich bin zu neugierig 🙂 Das ist eine Einstellung, die sich irgendwann in den Vordergrund gestellt hat 🙂

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    • Vielleicht sollte ich auch ein wenig mehr auf meine Neugierde hören. Nicht in kleinen Buchhandlungen zu stöbern und die Verkäufer auszutesten, fehlt mir, obwohl ich das noch nie so recht getan habe. Aber selbst bei Ketten wird man ab und an gefragt, ob sie einem helfen können, nur weil man sich mal wieder bei so vielen Wundertüten entscheiden kann…
      Dann werde ich mal bei dir vorbeischauen und lesen, was du geantwortet hast, darauf bin ich auch schon neugierig 😉
      LG Sabrina

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